Milos - die wilde Schöne

Schon die Anfahrt nach Milos ist ein Ereignis. Auf dem Rückweg von Santorini steuern wir mit dem Segelboot zur zweiten Vulkaninsel der Kykladen. Vom Schiff aus ist eine spektakulär zerklüftete Küste zu sehen - mit unzähligen Höhlen, die nur vom Wasser aus zu erreichen sind. Bis zum letzten Jahrhundert war Milos eine Piraten-Insel. Hier kann man sich und seine Beute gut verstecken. Ungewöhnliche Gesteinsformationen bilden Buchten und Strände. Sieht spannend aus. Hier gibt es sicher viel zu entdecken. 

 

Wir ankern eine Nacht im Hafen von Adamas. Bei der Einfahrt in die riesige Bucht ist es schon dunkel, der Wind weht kräftig von achtern und die Wellen klatschen gegen den Pier. Wir manövrieren, um den richtigen Abstand mit dem Anker hinzubekommen. Der Hafenmeister Nikos will helfen, ist aber mehr von Corinna's blonden Haaren und blauen Augen fasziniert. Dann liegen wir fest und Nikos lädt uns zum Essen in seine Taverne ein. Angeblich hat er in "Mamma Mia" mitgemacht, der auch auf einer griechischen Insel spielt. Ob's stimmt oder nicht - in einen Hollywood-Film würde er gut reinpassen. Wir trinken ein "Mythos" auf die Schauspielkarriere und freuen uns, so lustig in Empfang genommen zu sein. Am nächsten Morgen machen wir noch einen Bummel im Hafen, kaufen leckere Kekse und dann geht es wieder los. Der Wind steht günstig, um uns nach Athen zu bringen. Beim Auslaufen verabschiedet uns eine Robbe!

Nach unserem Törn kehre ich noch einmal zurück nach Milos. Ich will eine Woche lang die Insel erkunden. Habe mir ein Zimmer im "Haus Christo" gemietet. Im Internet bin ich neugierig geworden auf die Besitzer Christian und Birgit aus Berlin. Vor 40 Jahren hat sich Christian in einen malerischen Flecken in Pollonia an der Nordküste verliebt. Und dort ein Grundstück gekauft. Als er anfing, sein Haus zu bauen, gab es weder Strom noch Wasser. Er hatte Betriebswirtschaft studiert und vom Handwerken wenig Ahnung. Doch seine Sehnsucht war größer. Um Geld zu verdienen, ließ er sich zuerst von den Einheimischen das Fischen beibringen. Später hat er noch so Allerlei anderes gemacht. Spannend! Ich finde ihn total klasse. Er sagt, vieles hat sich eben so ergeben. Er ist einfach seinem Gefühl gefolgt, hat hart gearbeitet und viel improvisiert. Ich mag solche Menschen sehr.


Das Haus steht direkt am Meer an einem kleinen Strand. Gegenüber liegt ein großer Felsen, hinter dem jeden Abend die Sonne untergeht. Bei Christian fühlt man sich zu Hause. Es ist  wie ein Besuch bei Freunden. Am ersten Abend lädt er mich zum Grillen mit anderen Gästen ein. Klasse! Mein Zimmer ist total gemütlich, mit einer kleinen Veranda. Jeden Tag kommt ein Puschelkater zu Besuch - ich teile mit ihm meinen Feta-Käse und spendiere Sardinen. 

Am besten mietet man sich günstig ein kleines Auto, denn Milos ist groß. Außerhalb der Saison fahren kaum Busse. Mit griechischer Musik gehe ich auf Entdeckungsfahrt.

Die Atmosphäre auf Milos ist ganz besonders. Die Landschaft weit und einsam. Oft weht ein starker Nordwind. Er begleitet einen den ganzen Tag. Schon morgens wache ich mit dem Rauschen der Wellen auf - es gibt nichts Schöneres. Mit der Zeit hört man die Nuancen der Windstärke heraus. Auch die Oliven- und Eukalyptusbäume erzeugen ein sanftes Geräusch. Das Meer ist überall. Man biegt um die Ecke und schon eröffnen sich neue grandiose Blicke auf eine wilde Küste. Wellen mit Schaumkämmen im Norden, sanfte Wogen in der großen Bucht und fast Windstille auf der Südseite. Das Meer hat viele Gesichter. Hier lernt man sie alle kennen. Und jeden Tag auf's Neue gibt es unglaubliche Sonnenuntergänge: zwischen 7 und 8 Uhr verfärbt sich der Himmel erst in sanftes Rosa, dann lila, dann tiefblau und wenn die Sonne weg ist, geht das Farbspektakel erst richtig los. Ein solches Licht gibt es nur hier. Man braucht kein Fernsehen und keine Filme, denn die Realität ist so viel schöner. Hier fehlt es einem an nichts. Das Gefühl morgens aufzuwachen und in dieser grandiosen Natur zu sein, ist unvergleichlich!

 

Die Strände sind ein Traum. Es gibt so viele zu entdecken und einer immer schöner als der andere. Denn Milos ist nicht nur eine Insel - sondern eigentlich ein aktiver Vulkan! Zwar ist es schon 90.000 Jahre her, daß er zum letzten Mal ausgebrochen ist, doch das heißt nicht, daß er eingeschlafen ist. 300 Grad heiße Flüssigkeiten brodeln in nur 700 Meter Tiefe. Am besten zu sehen am Paliochori-Strand. Beim Schnorcheln sieht man hier aus unzähligen winzigen Löchern im Meeresgrund Dampfbläschen aufsteigen. Unter Wasser sehen sie im Sonnenlicht aus wie Millionen von Kristallen - wunderschön. Außerdem fließen Schwefelquellen mit Temperaturen bis zu 60 Grad ins Meer. Angeblich hilft das Baden darin gegen Rückenschmerzen, Rheuma und vieles andere.   

Der Vulkanismus hat die Landschaft von Milos geprägt. Die Strände schillern in allen möglichen Rot-, Braun- und Gelbtönen. Für Geologen ist die Insel ein einziges großes Open-Air-Museum. Der Bilderbuch-Strand von Firiplaka sieht aus wie von der Postkarte. Ein weißer Felsen ragt aus türkisfarbenem Wasser. Die Felswände feilen steil ab und man kann jede Menge interessanter Steine finden. Es gibt eine kleine Strandbar aber sonst ist es menschenleer.

Am Tsigrado-Strand kann man kann wunderbar schwimmen. In der Taverne "Scirocco" wird das Essen in einem Lavaofen zubereitet. Mit heißem Dampf, der direkt aus dem Gestein kommt. "Volcanic Cuisine" - sehr lecker!

Unbedingt sehen wollte ich auch Sarakiniko - eine Bucht ganz aus weißem Tuffstein, der sich zu fantasievollen Gebilden geformt hat. Besonders spektakulär bei hohem Wellengang. Dann schlägt das Wasser durch Höhlen und Löcher im Boden. Das Ganze sieht aus wie eine unwirkliche Mondlandschaft. Vor der Küste ist 2003 ein Frachter gestrandet. Das Wrack ragt aus dem Wasser und erinnert daran, welche Kraft das Meer hat und das man ihm mit Respekt begegnen sollte.

Milos ist keine sehr touristische Insel. Es gibt alles was man braucht, aber davon nicht zu viel. Geld wird hier vor allem mit Bergbau verdient. Und das schon seit mehreren tausend Jahren. In der Antike war es vor allem Schwefel, heute werden zahlreiche wertvolle Mineralien gewonnen, wie z.B. Obsidian, Baryt, Perlit oder Bentonit. Die Vorkommen sind groß, mehrer Firmen sind gut im Geschäft und geben den Menschen genug Arbeit. An vielen Stellen sieht man Minen oder es begegnen einem Laster auf der Straße.

Ein ganz besonders beeindruckender Ort ist die verlassene Schwefelmine von Paliorema. Bis Ende der 50-er Jahre wurde hier Schwefel abgebaut. Die Mine befindet sich direkt am Meer in einem tief eingeschnittenen Tal. Schon der Weg dorthin entlang gezackter Felsen ist spannend. Unten findet man noch viele alte Maschinen, Häuser und Anlagen. Alles wirkt, als ob es gerade erst gebraucht wurde. Western-Feeling kommt auf, wenn der Wind um die verlassenen Bauten pfeift und man die Geister der Bergleute förmlich spüren kann.       

 

Für mich ist Milos bezaubernd schön. Eine magische Insel auf der die Seele viel Raum findet. In der Weite des Meeres findet man zu sich selbst.