Anlegen im Hafen

Immer näher rückt die Insel. Noch ist sie nicht zu erkennen, existiert nur auf der Seekarte. Dank des GPS und den Informationen aus der Seekarte können wir sie sicher ansteuern. Schon bald erscheint sie dann am Horizont und offenbart einzigartige Details.

Die Hafeneinfahrt ist zu erkennen, wohin die Segelyacht gesteuert wird. Nun heißt es für ein jeden an Deck: Wir bereiten das Anlegen vor.

 

Für den Skipper ist das ein spannender Moment. Für alle anderen an Bord gilt: sie teilen die volle Aufmerksamkeit. Es ist eben nicht wie Einparken mit dem Auto, einer fährt und macht das schon. Von Fall zu Fall werden alle gefordert sein; also gut zuhören, nicht, dass es Schrammen gibt.


Zunächst ein paar Informationen zum Anlegen im Hafen. Es gibt ja auch noch das Ankern in einer Bucht, worüber im Anschluss einige Worte aufgeschrieben sind. Als erstes wird die Hafensituation besprochen. Hierfür ist das Hafenhandbuch ein praktischer Helfer, denn die jeweilige Hafenseite gibt uns die nötigen Informationen. Alle sind bei der Besprechung anwesend, um zu wissen, in welche Ecke des Hafens das Schiff gesteuert werden muss.

Der Skipper gibt rechtzeitig die Anweisung, das Schiff zum Anlegen vorzubereiten. Bei dieser Aktion ist jeder hilfreich, wir arbeiten Hand in Hand. Natürlich wird auch klar Schiff gemacht, es ist eine wichtige Routine. Sonnencreme und Keksschachteln, Brillen und alle nützlichen Kleinigkeiten werden sicher verstaut, damit niemand darüber stolpern kann.

Die Segel werden eingeholt, denn für das Anlegemanöver gibt uns die Maschine an Bord den nötigen Antrieb. Es erleichtert das Manövrieren ungemein. Die Fender werden mit Webeleinsteks an die Reling geknöpft. Spätestens nach dem zweiten Tag hat jeder den Ablauf für sich verinnerlicht.

Der Skipper findet für jeden eine nützliche Tätigkeit. Wer gerade nicht direkt am Manöver beteiligt ist, setzt sich hin. Mit Hinsetzen meint der Skipper keinesfalls ein schönes Päuschen, vielmehr wird man damit aufgefordert, die Situation rund um das Boot zu beobachten. Denn es muss stets auf andere Boote, die gerade vielleicht an- und ablegen, geachtet werden. Seid bitte nicht böse, wenn der Skipper beim Anlegemanöver nicht gerade für einen netten Smalltalk zu haben ist. Solch eine Aktion erfordert seine gesamte Aufmerksamkeit und volle Konzentration.

Wie immer gibt es einen Knackpunkt, der die ganze Sache noch einmal spannender macht. Hier sind es die Wassertiefe und der Wind. Nun ist die Logik gefragt. Wie tief ist das Wasser und wie weht der Wind? Die Wassertiefe entnehmen wir den Instrumenten in der Nähe des Ruders. Den Wind erspüren wir mit allen Sinnen. Was hat das für einen Einfluss auf das Boot? Was für eine Reaktion ist gefordert? Nach solch einem Törn sind wir alle Meister im logischen Denken.  

Volle Fahrt voraus! Wie bitte? Nein, nicht im Hafen. Vorsichtig und ruhig wird das Boot zu einer freien Parkbox an der vorgegebenen Stelle im Hafen geführt. Unter Berücksichtigung aller beteiligten Kräfte, welche Einfluss auf das Verhalten des Bootes haben, wird es in die Box gezirkelt.

Ist dies geschafft, sind die Fenderleute gefragt. Diese sorgen bei der Einfahrt dafür, dass zwischen den Booten ein Fender in der richtige Höhe hängt. Das vermeidet Berührungen und eventuelle Schäden an der Bootswand.

Nun brauchen wir zwei Leute, welche die Achterleinen bedienen. Die Heckleinen werden klariert und an Land geworfen. Einer begibt sich ebenfalls dorthin und belegt sie um die Klampen.

Der Ankermann belegt gemeinsam mit dem Midshipman die Mooringleine, welche vorher aus dem Wasser gefischt wurde. Die Mooringleine befindet sich bereits im Hafen und ist fix an ein Betongewicht verankert.

Wie alles Neue wird auch das Anlegemanöver vorher geübt und geprobt. Somit ist der Ablauf schon im Vornherein klar. Beim ersten Mal kommen zwar noch ein paar Details hinzu, doch funktioniert die Crew als Team mit der Zeit immer besser.

Es ist geschafft. Das Anlegemanöver wurde erfolgreich bewältigt. Ein letzter prüfender Blick vom Skipper, ob auch alle Leinen korrekt belegt sind, dann kann der Landgang beginnen. Eingeleitet wird dieser natürlich mit einem wohlverdienten Getränk im kühlen Schatten.